Bürgerschaftliches Engagement

Vorstand und Aufsichtsrat bei SAGES machen ihre Arbeit bei SAGES bisher ehrenamtlich. Dazu gehört die Entwicklung des Konzepts, die Öffentlichkeitsarbeit, die Büroorganisation, die Einsatzbesprechung der Arbeitslosen für die Durchführung von Aufträgen, die Information der Mitglieder, das Werben potentieller Arbeitsloser für eine Mitarbeit bei SAGES und die Durchführung von Veranstaltungen vor Senioren, um weitere Mitglieder zu gewinnen und Aufträge zu bekommen. Insofern lässt sich festhalten, dass das bürgerschaftliche Engagement von Nichtarbeitslosen und Arbeitslosen bisher den wesentlichen Teil der Entwicklung und Umsetzung von SAGES ausmacht.
Die Angebote von SAGES erstrecken sich im Haushaltsbereich auf die Schwerpunkte Raumpflege, Wäschepflege, Küchenhilfe sowie Garten und Hof, bei der Mobilitätshilfe auf die Schwerpunkte Begleitung, Einkaufen, Botengänge und Bewegung. Beim dritten Standbein des Unternehmens, der Kontaktpflege, geht es um Dienstleistungen für ältere Bürger wie Schriftverkehr, Unterhaltung und Ausflüge. Die Dienstleistungsangebote richten sich sowohl an Privathaushalte als auch an Menschen, die in Seniorenanlagen leben.

Kleine kontinuierliche Erfolge
SAGES bietet Leistungspakete in den Bereichen der Grundversorgung an mit speziellen Serviceangeboten. Sie können jederzeit zugunsten neuer Kundenwünsche erweitert werden. Wohnungsgröße und Anzahl der im Haushalt lebenden Personen liefern die Grundlage für eine Kalkulation. Hinzu kommt die Häufigkeit der Inanspruchnahme von Diensten. Die Palette der wöchentlichen, monatlichen, halbjährlichen, jährlichen und saisonbedingten Einsätze wird ergänzt durch Angebote, die nach Bedarf geordert werden. Beispielsweise begleitet SAGES eine Kundin oder einen Kunden bei plötzlich notwendig gewordenem Krankenhausaufenthalt bis ins Krankenzimmer.

Gegenwärtig arbeiten vier Langzeitarbeitslose bei SAGES auf Minijobbasis mit kontinuierlich, aber langsam wachsender Tendenz. Geplant wird aktuell die erste Halbtagsstelle einzurichten. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass viele Arbeitslose, die sich bei SAGES engagieren, neue Erfahrungen mit der Übernahme von Verantwortung bei Büroorganisation, Verwaltung, Akquisition, Planungen mit Kolleginnen etc. machen. Viele gewinnen durch den gemeinsamen Rahmen und das Arbeiten in der Gruppe ein neues Selbstbewusstsein, das ihnen über den Verlauf ihrer Arbeitslosigkeit oft verloren gegangen ist. So verwundert es nicht, dass gerade einige, die sich besonders engagieren mit der Zeit einen neuen festen Arbeitsplatz außerhalb von SAGES bekommen. Sie bleiben der Genossenschaft mit ihrem Engagement weiterhin verbunden, da sie selbst am besten wissen, wie wichtig es ist, die Einbindung in einer Gruppe zu erfahren gepaart mit Unterstützung und erste Erfahrungen bei der Arbeitsaufnahme, um wieder selbstbewusster auftreten zu können.

Zur Vorgeschichte
Seit Frühjahr 2004 traf sich regelmäßig eine Gruppe arbeitsloser Frauen und Männer, um eine Lösung für die eigene Arbeitslosigkeit zu finden. Im Herbst wurde schließlich beschlossen, eine Firma zu gründen. Nach intensiver Beschäftigung mit verschiedenen, in Frage kommenden Tätigkeitsbereichen und unterschiedlichen Rechtsformen entschlossen sich die sieben Beteiligten zur Gründung einer Dienstleistungsagentur für Seniorenassistenz im Alltag auf genossenschaftlicher Basis. Die Vorteile der Genossenschaft, wirtschaftliche Gesichtspunkte mit sozialer Verantwortung zu verbinden und die Verteilung der Lasten auf mehrere Schultern, waren ausschlaggebende Gründe für diese Entscheidung.

Die abnehmende Leistungsfähigkeit mit fortschreitendem Alter verlangt nach geeigneter Unterstützung, auch in Form bezahlter Dienstleistungen. Erst sie ermöglichen vielen SeniorInnen ein angenehmes Leben. An diesem Punkt setzt die Geschäftsidee von SAGES an. Bislang wurde die Unterstützung älterer Menschen allzu oft gleichgesetzt mit der Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung alter, kranker, hilfs- und pflegebedürftiger Menschen. Damit wird aber bei weitem nicht das gesamte Angebot der notwendigen Dienstleistungen für ein altersgerechtes Leben abdeckt. Die Mehrzahl der Senioren ist weder versorgungs- noch pflegebedürftig und lebt meist unabhängig von ihren Kindern in Wohnungen oder Häusern. Besonders auf diese Gruppe konzentriert sich SAGES bei der Kundengewinnung.

Genossenschaftlicher Förderauftrag
In allen Bereichen ist bei SAGES das persönliche Engagement wahrnehmbar, das die Mitglieder bei der ehrenamtlichen Tätigkeit als auch diejenigen, die bezahlte Tätigkeiten übernehmen, in ihre Arbeit einfließen lassen. Denn im Gegensatz zu den meisten, rein kommerziell arbeitenden Dienstleistern steht bei SAGES nicht das Gewinninteresse der Kapitalgeber im Vordergrund, sondern die Förderung der Mitglieder. Dazu gehört, durch die Mischung des bürgerschaftlichen Engagements der so genannten Fördermitglieder und des Eigenengagements der Betroffenen, zu erreichen:

1.Die Verbesserung der persönlichen Wohlfahrt, indem die Mitglieder unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Genossenschaft einbringen, austauschen bzw. sich gegenseitig unterstützen und so positive Erfahrungen mit ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement machen.

2.Die Erzielung eines Zusatzeinkommens im Rahmen der gesetzlichen Zuverdienstgrenzen, indem die Genossenschaft für an Mitglieder oder Nichtmitglieder verkaufte Dienstleistungen, bisher über Minijobverhältnisse, ein ergänzendes Einkommen auszahlt.

3.Berufliche Neuorientierung durch eine in der Genossenschaft organisierte und abgesicherte Mitarbeit der arbeitslosen Mitglieder, der Entwicklung einer selbstständigen Tätigkeit sowie dem mittelfristigen Aufbau einer Produktivgenossenschaft, die feste Arbeitsplätze ermöglicht.

Die Ergebnisse der Arbeit von SAGES sind nicht nur positiv für die arbeitslosen Mitglieder. Vielmehr profitieren von einer Verbesserung der Situation der Beteiligten auch bestehende Unternehmen, die jeweilige Kommune und Träger der freien Wohlfahrtspflege im Umfeld. Entsprechend wird es auch als zweckmäßig angesehen, die Genannten als Mitglieder in die Organisation der Genossenschaft einzubinden. Sie können durch Synergieeffekte und Unterstützung der Arbeitslosengenossenschaft SAGES so zu einer Aufwertung als Bestandteil der Gemeinwesenökonomie beitragen. SAGES kann auch als mutmachendes Experiment zur Nachahmung dienen, indem andere Langzeitarbeitslose dazu angeregt werden auf die Möglichkeiten der Gruppenselbsthilfe zurückzugreifen, um die Probleme der Dauerarbeitslosigkeit für sich zu mildern oder gar ganz zu beseitigen.

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